F.S.: “Seit Jahrzehnten drangsalieren die Branchenbuch Herausgeber zuerst der Post und dann der Telekom deutsche Kleinunternehmer, um das Aufkommen von Konkurrenz im Keim zu ersticken,“ hast du mir doch erzählt. John stand neben mir in der rappelvollen U-Bahn und warf mir zusammen mit diesem Satz einen verdammt skeptischen Blick zu. „Nicht nur das,“ ich musste fast schreien zum Übertönen der Hintergrundgeräusche. „Ich erzähle dir mal ein Beispiel aus den siebziger Jahren, so lange läuft das schon mit dem Vernichtungskrieg a la Post – Telekom.“
Ich zitiere einen Artikel, der unter der oben genannten Überschrift in der Zeitschrift „Der Spiegel“ erschien:
„Die Bundespost verstößt gegen ihre eigenen Vorschriften, um einen Geschäftspartner — einen Adreßbuchverlag[DK3-586] — zu unterstützen.
Als der Werbeberater Wolfgang P. Rudolph 1977 aus dem Hamburger Vorort Volksdorf in den Stadtteil Berne umzog, entdeckte er eine Informationslücke: Die Rufnummern von Behörden, Handwerkern und Schulen mußte er mühsam im dicken zweibändigen Telephonbuch der Hansestadt suchen.
So ging Rudolph daran, das Naheliegende zu verwirklichen: Er wollte sein eigenes Telephonbuch herausgeben — ein Stadtteilverzeichnis mit den Rufnummern aller öffentlichen Einrichtungen. Inserate von Händlern und Handwerkern im Verbreitungsgebiet sollten die Kosten decken und Gewinn bringen.
Der Jungverleger garantierte seinen Anzeigenkunden, dass die nützlichen Broschüren per Post als "Wurfsendung an alle Haushalte" verteilt würden. So kamen rasch die nötigen Inserate zusammen, um das erste Heft herauszubringen. Inzwischen hat Rudolph sieben Stadtteile mit insgesamt gut 190 000 Exemplaren seines "Wer, Wo, Was. Waren und Leistungen von A bis Z" beliefert.
Da es allein in Hamburg mehr als 30 Postbezirke gibt, witterte der findige Werbeberater ein gutes Geschäft für die nächsten Jahre. In Frankfurt und München sah er sich bereits nach Partnern um, mit denen er seine Idee auch dort verkaufen wollte.
Doch jäh wurde die Erfolgsserie gestoppt. Denn mit guten Beziehungen zur Bundespost hat sich ein Konkurrent breitgemacht, gegen den Rudolph nicht ankommt.
Die Achtungserfolge des "Wer, Wo, Was"-Verlegers hatten nämlich auch den Hamburger Adreßbuchverlag Dumrath & Fassnacht hellhörig gemacht, der unter anderem das offizielle Branchen-Fernsprechbuch der Hansestadt herausgibt. Der Adreßbuchverlag tat sich mit der Deutschen Postreklame GmbH (Vorläufer der DeTeMedien F.S.), einer Tochter der Bundespost, zusammen und stieg im Sommer 1978 in das von Rudolph entdeckte Stadtteilgeschäft ein. Das "Pilotprojekt" sieht in Hamburg zunächst 18 Ausgaben lokaler Telephonverzeichnisse vor.
Als Anfang dieses Jahres das erste von Dumrath & Fassnacht verlegte Branchen-Fernsprechbuch ("Ihr Einkaufsmarkt von A bis Z") ebenfalls als Postwurfsendung "kostenlos an alle Haushalte" verteilt wurde, war Rudolph bös überrascht: Die Konkurrenz war dicker und attraktiver als seine schmalbrüstigen Telephonheftchen.
Aus gutem Grund. Denn anders als Rudolph, der seine Hefte nach den pingeligen Vorschriften der Postordnung konzipieren und für die Verteilung per Briefträger rund 40 000 Mark Porto bezahlen mußte, kann der Adreßbuchverlag dank guter Beziehungen zur Post großzügiger operieren: Die Post stört es nicht, dass die Hefte rund 50 Gramm schwerer und zudem größer sind, als Wurfsendungen sein dürfen. Und die Telephonbroschüren werden ohne Porto befördert.
Nachdem Rudolph mehrfach erfolglos die Verstöße gegen die Postordnung moniert hatte, verklagte der verärgerte Verleger aus Berne die Deutsche Bundespost vor dem Hamburger Verwaltungsgericht. Aber damit scheiterte Rudolph bislang.
Zwar verstoße die Post, so argumentierten die Richter in ihrem vorläufigen Beschluß spitzfindig, "mit der Zulassung der Ortsteil-Branchen-Fernsprechbücher zur postalischen Verteilung gegen die Vorschriften über das Höchstgewicht, die Höchstlänge? die Bezeichnung und die Gebühren für Postwurfsendungen". Dennoch sei das "örtlich nicht begrenzte Unterlassungsbegehren des Antragstellers abzuweisen".
Nur in den Stadtteilen, in denen Rudolph-Verzeichnisse bereits erschienen sind, wollte das Gericht die im Grundgesetz garantierte Wettbewerbsfreiheit geschützt wissen. In den übrigen Bezirken komme — so die Richter — eine einstweilige Anordnung zu spät, da die Konkurrenzfähigkeit bereits beeinträchtigt oder die "Entscheidung nicht eilbedürftig" sei.
Der hartnäckige Rudolph will nun weiter beim Verwaltungsgericht klagen. Die Post, so meint er, habe sich schließlich in allen Stadtteilen gleichermaßen an ihre Vorschriften zu halten.“
Bleibt noch zu ergänzen: Vor einigen Jahren habe ich Herrn Rudolph, inzwischen längst im Rentenalter, in Hamburg telefonisch erreicht. Er musste aufgeben, die Prozesse waren nicht zu bezahlen, die unfairen Wettbewerbsnachteile schnürten ihm die Luft ab. Besonders erbost war er darüber, dass es inzwischen in ganz Deutschland von den gelbe Seiten Verlagen herausgegebene Stadtteilbranchenbücher gibt mit der dafür von ihm erfundenen Bezeichnung Wer-Wo-Was. „Die haben sie fertiggemacht und sich die gute Idee und den Namen einfach unter den Nagel gerissen?“ fragte ich. „Genau so, sie haben mich totprozessiert und verdienen mit meiner Idee deutschlandweit Geld.“
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F.S.: “Ach, du wolltest ja wissen, was mein Offener Brief an den Präsidenten des Bundestages aus dem Jahr 2007 ( http://blog.ein5er.com/gelbe-seiten-wirtschaftskrieg/gegen-kleinunternehmer.html ) bewirkt hatte.“ Ich schaute John an und winkte ab. „Seinerzeit habe ich nicht nur den Brief geschrieben und veröffentlicht, sondern auch mit Bundestagsabgeordneten verschiedener Parteien gesprochen. Man hat mir versichert, dass man die Vorgehensweise der DeTeMedien zum Markenrechtsstreit und die Behandlung von Kleinunternehmern durch den Konzern missbilligt.“
“Das ist doch prima,“ meinte John, „was ist daraus geworden, was haben sie unternommen, um dich zu unterstützen?“ „Nichts.“ „Wie, nichts?“ „Zumindest nichts positives, was mir bekannt geworden wäre. Ein Brief des Bundestagspräsidenten flatterte mir ins Haus mit der Information, er habe die Sache an den Petitionsausschuss des Bundestages weitergeleitet.“ „Sowas gibt es bei uns in den Staaten auch.“ John wiegte bedenklich den Kopf hin und her. „Bei uns ist der Petitionsausschuss so etwas wie ein Abfalleimer,“ fasste ich für ihn meinen Eindruck zusammen. „Da werden die Anliegen von Bürgern hingeschoben, für die Politiker keine Zeit haben und bei denen es außerdem unangenehm ist, sich damit zu befassen. Als vor Monaten nach 20-jährigen Bemühungen die Missbrauchsopfer von Priestern es endlich geschafft hatten, mit ihrem Anliegen in die Öffentlichkeit zu kommen, habe ich die Diskussionen im Fernsehen gespannt verfolgt. Briefe dieser Menschen waren jahrelang ebenfalls im Petitionsausschuss wie in einem schwarzen Loch verschwunden. Welcher Abgeordnete legt sich schon gerne mit der Kirche an.“ John grinste, „und wer legt sich schon gerne mit der DeTeMedien und damit der Telekom an. Zu viel Werbe- und Spendenkohle im Spiel, was?“ „Sieht so aus, nach Monaten habe ich mal nachgefragt, was der Petitionsausschuss unternimmt, und weitere Monate später kam ein freundlich formuliertes Schreiben, so etwa, es sei am besten, sich auf den Rechtsweg zu verlassen.“
Zwangsläufig musste ich mich dann auf den Rechtsweg verlassen. Das ging so: Im November 2009 gab es das Schlussurteil der ersten Instanz, ich hätte das Verfahren zu 13/15 verloren und solle die Webseite schließen. Im Dezember 2009 stellte ich einen Antrag auf Prozesskostenhilfe für das Berufungsverfahren beim Oberlandesgericht Hamburg. In den folgenden 18 Monaten also bis Juni 2011 wurde ich mehrere Male aufgefordert, einen erneuten Antrag auf PKH einzureichen. Normalerweise werden solche Anträge innerhalb von vier bis sechs Wochen entschieden, aber halt nur normalerweise. Als die dritte oder vierte Anforderung zur Abgabe eines erneuten Antrages eintraf, hatte ich die Faxen dick und schrieb einen höflichen Brief, dass ich nach Einreichung mehrerer Anträge über viele Monate eine Entscheidung erwarte und keine weitere Anforderung, wieder das Gleiche einzureichen. Am 6. Juni 2011 erging der Beschluss des OLG, mein Antrag vom Dezember 2009 sei abzulehnen, da ich einer Aufforderung zur erneuten Einreichung im April 2011 nicht nachgekommen sei. Die zwischendurch von mir eingereichten Anträge wurden in der Urteilsbegründung der Einfachheit halber verschwiegen.
Heute bin ich froh, dass das Verfahren nicht vor Gericht weitergeht. Gegen einen wirtschaftlich übermächtigen Gegner kann man den aufgezwungenen Krieg nicht juristisch gewinnen, schon gar nicht angesichts der Realität des deutschen Rechtswesens. Da geht es mir wie den Vergewaltigungsopfern der Kirche. Der Markenrechtsmissbrauch und die gewollte wirtschaftliche Vernichtung von kleinen Unternehmern zwecks Ausschaltung des Wettbewerbs muss breit in die Öffentlichkeit gebracht werden. Erst wenn jedem potentiellen Inserenten in den dicken gelben Büchern klar wird, dass sein Geld teilweise verwendet wird, um seinesgleichen zu zerstören und mit Gewalt in Grund und Boden zu trampeln, erst dann wird sich was ändern.
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F.S.: “Ach, du wolltest ja wissen, was mein Offener Brief an den Präsidenten des Bundestages aus dem Jahr 2007 ( http://blog.ein5er.com/gelbe-seiten-wirtschaftskrieg/gegen-kleinunternehmer.html ) bewirkt hatte.“ Ich schaute John an und winkte ab. „Seinerzeit habe ich nicht nur den Brief geschrieben und veröffentlicht, sondern auch mit Bundestagsabgeordneten verschiedener Parteien gesprochen. Man hat mir versichert, dass man ...
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F.S.: Auf dem Weg zur U-Bahn bleibt John plötzlich stehen. „Stell dir mal vor, ein japanischer Autokonzern kommt auf die Idee, sich das japanische Wort für Auto als Marke eintragen zu lassen. Dann dürften Mercedes und BMW ihre Autos nicht mehr in Japan verkaufen.“ Ich winke ab, „die könnten ihre Autos ja Fahrzeuge nennen.“ John grinst mich an und wedelt den ausgestreckten Zeigefinger hin- und her. „Geht nicht, Verwechslungsgefahr!“ „Um Himmels willen,“ stöhne ich, „das mit dem Markenrecht wie die DeTeMedien das hier in Deutschland machen, muss geheim bleiben. Wenn die Konkurrenz in der ganzen Welt auf diesen Trick kommt, ist unsere Exportindustrie komplett im Eimer.“
Zu Jahresanfang haben sie schwere Geschütze aufgefahren. Kostenfestsetzungsbeschluss des Gerichts aus der ersten Instanz mit rund 4000 €. Eine der Merkwürdigkeiten deutschen Rechts, ich hatte zwar Prozesskostenhilfe, aber dann muss ich doch einen erheblichen Teil der Kosten zahlen, sogar in sogenannter gesamtschuldnerischer Haftung für die ehemalige GmbH, die zur Zeit der ersten Verhandlung schon gar nicht mehr existierte. Die DeTeMedien-Anwälte wollen noch mal 800 € extra und die seien inzwischen durch Zinsen auf über 1.000 € angewachsen, natürlich sofort vollstreckbar, und sogar der Denic zugestellt, sie wollen, dass ich über die Domain gelbevideos.de nicht mehr verfügen darf, na klar. „Sofort vollstreckbar“, Worte, bei denen es mir ziemlich eiskalt den Rücken runterläuft. Viele Menschen habe ich kennengelernt, die zwischen 1933 und 45 nächste Verwandte und Freunde durch deutsche sofort vollstreckbare Urteile verloren haben für Verbrechen wie die Allmacht des Führers ablehnen, oder am Endsieg zweifeln. Hunderte von deutschen Richtern haben solche Todesurteile gefällt und nicht einer ist jemals zur Rechenschaft gezogen worden. Das Schlimmste, was so einem sofort vollstreckbare Todesurteile Fäller jemals passiert ist, war, dass er beispielsweise nach dem Krieg von Paderborn nach Bielefeld versetzt wurde oder umgekehrt. Das heutige Urteil eines deutschen Gerichts hat nichts mit den Terrorurteilen deutscher Richter der Nazizeit zu tun, ich beschreibe nur die Assoziation, die der Begriff der sofortigen Vollstreckbarkeit bei mir auslöst.
Und natürlich haben sie das Gericht aufgefordert, mir ein Ordnungsgeld von 20.000 € überzubügeln, das wären beim gleichen Tagessatz wie beim ersten Mal ersatzweise 40 Tage Haft. In meinem Brief an den Bundestagspräsidenten 2007 habe ich geschrieben, dass ich mich von gekauftem Recht nicht beugen lasse und von meinem Recht auf Widerstand Gebrauch mache. Also warum so zimperlich, meine Herren, doch bitte nicht häppchenweise. Jemanden, der dem deutschen Volk zutraut, gelbe Seiten von gelbevideos unterscheiden zu können, und der deshalb seine Webseite nicht schließt, kann man doch nicht mit ein paar lächerlichen Tagen im Knast davonkommen lassen. Lebenslänglich, das ist das Mindeste, alles was recht ist, nicht wahr.
Der Pfändungsbeschluss verrät mir auch die Namen der verantwortlichen gelbe Seiten Krieger, die Geschäftsführer Stefan Schmitt und Oliver Neuerbourg von der Deutsche Telekom Medien GmbH, so heisst die DeTeMedien ausgeschrieben. Darüber gibt’s den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Telekom AG, René Obermann. Die Telekom AG ist Mitglied bei econsense, dem „Forum für Nachhaltige Entwicklung der Deutschen Wirtschaft e.V.“, hier ist die Creme der deutschen Konzerne versammelt, von Daimler über BMW zur BASF und der Deutschen Bank und allen anderen dieses Kalibers. Im Grundsatzpapier dort heißt es gleich zu Beginn: „econsense ist ein Zusammenschluss führender global agierender Unternehmen und Organisationen der deutschen Wirtschaft zu den Themen nachhaltige Entwicklung und Corporate Social Responsibility (CSR).“ Die unternehmerische soziale Verantwortung der Deutschen Telekom AG ist wie mir scheint ausschließlich was für plakative Reden zu besonderen Anlässen. Wenn´s um freien Wettbewerb geht, wird dann doch lieber die Keule ausgepackt und der Kleinunternehmer erschlagen mit Hilfe eines in Teilbereichen längst zum Unrecht verkommenen deutschen Rechtssystems.
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F.S.: Auf dem Weg zur U-Bahn bleibt John plötzlich stehen. „Stell dir mal vor, ein japanischer Autokonzern kommt auf die Idee, sich das japanische Wort für Auto als Marke eintragen zu lassen. Dann dürften Mercedes und BMW ihre Autos nicht mehr in Japan verkaufen.“ Ich winke ab, „die könnten ihre Autos ja Fahrzeuge nennen.“ ...
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F.S.: Für die Kleinunternehmer mit der Keule des Markenrechts verprügelnden gelbe Seiten Krieger ist es völlig egal, ob das, was ihre Anwälte in den Abmahnungen und folgenden Prozessen behaupten, sinnvoll und logisch ist. Sie erreichen ihr Ziel, eine mögliche Konkurrenz schon im Keim zu ersticken, auf jeden Fall, egal, welcher Blödsinn in den Schriftsätzen verzapft wird.
„Jetzt übertreibst du aber,“ meinte John als ich ihm diese Behauptung vorsetzte. „Ich beweise es Dir. Irgendjemand hat ein wie auch immer genanntes Branchenverzeichnis gedruckt oder ins Netz gestellt, grüne Seiten, lila Branchenbuch, was auch immer. Innerhalb weniger Tage flattert die Abmahnung ins Büro mit der Kostennote und der Aufforderung, das jeweilige Erzeugnis sofort aufzugeben, Verwechslungsgefahr, BlaBlaBla, damit verbunden die Drohung der Klage.“ „So einen Quatsch kann man doch nicht ernst nehmen.“ „In Deutschland leider schon, lieber John. Denn jetzt passiert in 95 Prozent der Fälle folgendes: Der mit diesem Quatsch abgemahnte Unternehmer geht zu seinem Rechtsanwalt und der eröffnet ihm in einer seriösen Beratung, was auf ihn zukommt, wenn er sich gegen den Blödsinn wehren will. Die gelbe Seiten Keulenschläger werden eine oder wie in meinem Fall sogar zwei Klagen (gegen meine GmbH und mich persönlich) einreichen und einen Streitwert von 250.000 Euro aufrufen. Der Anwalt wird dem blass werdenden Kleinunternehmer erzählen, dass bei diesem Streitwert ein Brief des Anwalts ca. 8.000 Euro kostet und mit einem Brief ist es natürlich lange nicht getan, Stellungnahmen und Gegenstellungnahmen, Gerichtskostenvorschüsse, Reisekosten und so immer munter weiter. Besagter Anwalt wird dann fragen, ob der Unternehmer vielleicht ein Einfamilienhäuschen hat, das er vorsorglich beleihen kann, um die Kosten zu tragen. Allerdings wird das Häuschen mit Sicherheit im Laufe der Jahre der Prozesse zwangsversteigert werden, denn die gelbe Seiten Keulenschwinger nehmen mit den Inseraten in den dicken gelben Büchern so viel Geld ein, dass sie rücksichtslos durch alle Instanzen prozessieren.“
John´s Augen zogen sich zu schmalen Schlitzen zusammen, er stützte den Kopf auf die auf dem Caféhaustisch ruhenden Arme. „Was kostet denn so ein Verfahren durch einige Instanzen und wie lange dauert es?“ „Eine gute Frage. Ich habe mit dem Justitiar eines Konzerns gesprochen, der mit der DeTeMedien einen Markenrechtsstreit ausficht, das Verfahren geht seit Jahren und hat diesen Konzern schon mehr als eine Million Euro gekostet.“ John bekam den Mund nicht mehr zu als er mich erschrocken anstarrte. Ich musste lachen, auch wenn es vermutlich etwas gequält rüberkam. „Genauso wie Du jetzt schauen bestimmt fast alle Unternehmer ihren Anwalt an…“ „Und geben auf,“ unterbrach mich John mit heiserer Stimme. „Genauso ist es.“ „Und warum hast Du nicht aufgegeben?“ Sorgsam rührte ich den kleinen Rest Kaffee in meiner Tasse um und trank sie aus. „Weißt Du, irgendwie fehlt mir das Aufgeben-Gen und als mir die Abmahnungen in Haus flatterten, war ich geschieden, hatte gerade kein Einfamilien- und kein Mehrfamilienhaus zu verlieren und habe einen Weg gesehen, mich zu wehren. Ich habe die GmbH wegen der Kosten des Rechtsstreits zur Insolvenz angemeldet und mich selbst als Geschäftsführer entlassen, um mich dann mit Prozesskostenhilfe zu wehren.“ „Muss man einen Anwalt nehmen, kann man nicht selbst auftreten?“ fragte John. „Man muss, das heißt Anwaltspflicht.“ „Also, wenn die meisten aufgeben, haben die ihr Ziel erreicht, völlig unabhängig von Recht und Gerechtigkeit.“ „Richtig erkannt, bei denen, die nicht aufgeben, ist kein Geld übrig, um ihre Geschäftsidee voran zu bringen, also haben sie bei denen auch ihr Ziel erreicht. Und das gilt natürlich genauso für jemanden, der sich wie ich des angeblich den Rechtsstaat hochhaltenden Prozesskostenhilfe Systems bedient. Alles, was Du eventuell über das Existenzminimum hinaus verdienst, musst Du ans Gericht zahlen und kannst es nicht für die Weiterentwicklung deines Projekts verwenden.“ John, der typische Amerikaner, ballte wieder mal die Fäuste. „Das kann nicht sein, dass die mit diesen Machenschaften durchkommen, das Recht ist abgeschafft bei euch in Deutschland. Doch halt,“ er deutete mit dem Zeigefinger auf mich, „warum hast Du keinen Investor für Dein Projekt angesprochen, um weiterzukommen, das wäre doch eine echte Chance?“ „Habe ich natürlich gemacht und ich habe einige sehr positive Einschätzungen des gelbevideos Projekts und der internationalen Chancen gehört, aber…“ „Aber was?“ John schaute mich gespannt an. „Aber jeder mögliche Investor, egal wo er herkam, hat mir am Schluss des Gesprächs gesagt, `jetzt klären sie bitte erst mal diesen unseligen Rechtsstreit und dann können wir weiter reden.` Es ist quasi eine mathematische Gleichung, besser Ungleichung. Der Rechtsstaat ist auf der Strecke geblieben wegen der Summe aus Anwaltspflicht, hohen Streitwerten und jahre- teilweise jahrzehntelangen Verfahrenszeiten.“ „Da hat doch bestimmt dein Brief an den Präsidenten des Bundestags was bewirkt?“ John schaute mich optimistisch an. „Ich glaube, wir gehen jetzt, das erzähle ich Dir unterwegs.“
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F.S.: Für die Kleinunternehmer mit der Keule des Markenrechts verprügelnden gelbe Seiten Krieger ist es völlig egal, ob das, was ihre Anwälte in den Abmahnungen und folgenden Prozessen behaupten, sinnvoll und logisch ist. Sie erreichen ihr Ziel, eine mögliche Konkurrenz schon im Keim zu ersticken, auf jeden Fall, egal, welcher Blödsinn in den Schriftsätzen ...
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F.S.: Als ich damals die Begründung des Patentamtes zur Löschung von drei (!) eingetragenen Marken namens „gelbe Seiten“ gelesen habe, erfuhr ich nebenbei, dass die Herrschaften der DeTeMedien oder ihrer Vorläufer der Post gar die Dreistigkeit gehabt hatten, sich für Deutschland eine Marke „yellow pages“ eintragen zu lassen.
Als ich ihm das erzählt habe, hat mein amerikanischer Bekannter – ich werde ihn hier ab jetzt einfach John nennen – laut gelacht. „Bei uns in den USA kann jeder yellow pages herausgeben, der will, und in Konkurrenz zu den schon bestehenden treten und diese Spinner (John drückt sich manchmal sehr deutlich aus) wollen das in Deutschland verhindern, obwohl sie das gelbe Seiten System total von uns abgekupfert haben.“ „Es ist natürlich genau das eingetreten, was ich im Offenen Brief an den Bundestagspräsidenten gesagt habe,“ erläuterte ich John, „die von den DeTeMedien mit einigen Millionen ´beglückte´ Firma GoYellow Medien AG hat zuerst still und heimlich zwei der ursprünglichen Löschungsanträge zurückgezogen, den letzten erst etwa zwei Jahre später ungefähr eine Woche bevor das Bundespatentgericht den DeTeMedien-Widerspruch gegen die Löschung verhandeln wollte, damit war der Prozess geplatzt und alle Marken wieder rechtskräftig.“
Ich hatte zuvor mit einem der Richter des Patentgerichts telefoniert und ihn höflich um Information gebeten, wieso es so lange dauert, bis der Verhandlungstermin angesetzt wird, woraufhin er mich fragte, ob ich mir vorstellen kann, wie viele Seiten die Akte zu diesem Verfahren umfasse. Ich habe so um die zwei- oder dreihundert Seiten geschätzt, er klärte mich auf, dass der Stapel mehr als dreitausend Seiten dick war und ständig neue Schriftsätze dazukamen. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Richter des Bundespatentgerichts sich nach diesem Spielchen der DeTeMedien und der von ihnen bezahlten Zurückziehfirma vorkamen wie beim Bayrischen Amtsgericht oder Amtsgerichtsstadl oder wie diese Fernsehserie hieß, nur ist´s halt nicht ganz so lustig, wenn man tausende von Seiten durchackern musste und dann praktisch den Stuhl vor die Tür gestellt bekommt.
John schüttelte nur mit dem Kopf. „Das kann dir aber alles eigentlich ganz egal sein,“ meinte er dann, „schließlich heißt dein Branchenverzeichnis gelbevideos und nicht gelbe Seiten, also hat das Gericht denen doch bestimmt gesagt, dass die sich mit ihrem Antrag, dass du deine Webseite zumachen sollst, sonst was abwischen können.“ „Schön wär´s gewesen. Das Hamburger Landgericht – DeTeMedien geht mit diesen Prozessen so gut wie immer zum Landgericht in Hamburg – hat den Trick der Wirtschaftskrieger voll geschluckt und ohne groß darauf einzugehen deren Argument akzeptiert, man könne gelbe Seiten und gelbevideos verwechseln.“ Jetzt wurde es John zu bunt, er schlug mit der Faust auf den Tisch im Caféhaus, wo wir gerade saßen, „willst Du mich verscheissern? Das sind doch deutsche Richter, studierte Leute, die können doch nicht einfach behaupten, es sei möglich „Seiten“ und „Videos“ zu verwechseln, das ist doch genau das Unterscheidungsmerkmal und du willst dich ganz gezielt von diesem altmodischen Seitenkram unterscheiden.“ „Das Gericht hat im einstweiligen Verfügungsverfahren und dann im Hauptverfahren geurteilt, ich müsse die Webseite schließen zumindest bis eine Entscheidung über die angebliche Marke gelbe Seiten vom Bundesverfassungsgericht vorliege und sowas dauert Jahrzehnte.“ John haute nochmal auf den Tisch und die anderen Gäste schauten pikiert zu uns rüber. „Und damit haben diese Richter zugleich 80 Millionen Deutsche für verblödet erklärt, weil sie angeblich nicht fähig sind, gelbe Seiten von gelbevideos zu unterscheiden.“ „Noch schlimmer“ meinte ich, „mit solchen Urteilen führen Gerichte bei den Wirtschaftskriegern letztendlich den Wahn herbei, sie hätten ein alleiniges Recht auf Verwendung der Farbe gelb.“
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Sie hatten gar die Dreistigkeit, sich für Deutschland eine Marke „yellow pages“ eintragen zu lassen. Richter haben mit ihrem Urteil 80 Millionen Deutsche für verblödet erklärt.
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Seit Jahrzehnten treibt die Telekom-Tochter DeTeMedien die Farce immer weiter
F.S.: Die Verhängung eines Ordnungsgeldes von 20.000 Euro gegen mich haben sie gerade vom Hamburger Landgericht verlangt, Prozess- und Anwaltskosten obendrauf, vor drei Jahren habe ich ein Ordnungsgeld von 5.000 Euro nicht bezahlt und bin stattdessen für zehn Tage ins berühmte Berliner Gefängnis Plötzensee eingezogen. Wieso das? Was habe ich verbrochen?
Genau diese Fragen hat mir ein Freund aus New York, den ich über http://twitter.com/gelbevideos kennengelernt habe, auch gestellt. Die gelben Seiten sind vor fast 130 Jahren in den USA erfunden worden und er konnte nicht glauben, dass sie was mit diesen Vorgängen hier in Deutschland zu tun haben. Ich habe versucht, es ihm zu erklären, er hat´s nicht verstanden und wenn ich ehrlich bin, verstehe ich´s auch nicht.
Es ist schwierig, eine Geschichte gleichzeitig rückwärts und nach vorne zu erzählen. Ab heute versuche ich das hier im Blog. Ich fange mal an mit einem Offenen Brief, den ich 2007 an den Präsidenten des Deutschen Bundestags geschrieben habe, ich werde Sie weiter informieren, bleiben sie dran; Krieg, Wirtschaftsterror hier in Deutschland mitten unter uns, halten Sie das für möglich?
Offener Brief an den Präsidenten des Deutschen Bundestages, Herrn Dr. Norbert Lammert:
Sehr geehrter Herr Dr. Lammert,
als Betroffener eines aktuellen Falles der Verletzung des Artikel 3, Absatz 1 unseres Grundgesetzes – „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich“ schreibe ich Ihnen und beziehe mich dabei auf Artikel 17, der mir das Recht einräumt, mich schriftlich mit einer Beschwerde an die Volksvertretung zu wenden.
Sachverhalt: Das Deutsche Patent- und Markenamt hat im Juni 2006 nach einem zwei Jahre andauernden von einer Firma GoYellow Media AG beantragten Verfahren der Telekom-Tochter DeTeMedien die Marken „Gelbe Seiten“ und „Yellow Pages“ aberkannt mit der zutreffenden Begründung, dass es sich dabei nur um allgemeingültige Beschreibungen für bestimmte Dienste handelt, die nicht schützenswert sind. DeTeMedien ging in Widerspruch, die Sache ist noch anhängig beim Bundespatentgericht – AZ 25 W(pat) 111/06 und dort seit einem Jahr noch nicht entschieden worden.
Im Mai diesen Jahres habe ich ein Branchenverzeichnis mit Namen „gelbevideos.de“ ins Internet gestellt, mit der Folge, dass DeTeMedien mich vor dem Landgericht Hamburg im Eilverfahren auf Unterlassung verklagte. Die erste Instanz ging streitig aus und ich strebe die Eröffnung des Hauptverfahrens an.
Grundlage meines Handelns ist das Vertrauen in die grundgesetzlich vorgeschrieben Gerechtigkeit anstrebende Gesetzgebung des Bundestages und die daraus erwachsende Rechtssicherheit für jeden Bürger. Ich vertraute also auf die sehr realistische Chance, in Kürze gebe es ein Urteil des Bundespatentgerichts, welches die andauernden Drangsalierungen von Menschen mit angeblichen Markenrechtsverletzungen durch den Konzern DeTeMedien bzw. Deutsche Telekom aus der Welt schafft und den freien Wettbewerb herstellt.
Eine von mir rein sicherheitshalber begonnene Recherche beim Bundespatentgericht und Patent- und Markenamt ergab aber eine eine ganz andere Gesetzeslage: Der ursprüngliche Antragsteller GoYellow Medien AG kann jederzeit seinen vor nunmehr drei Jahren gestellten Antrag auf Löschung der Marke zurückziehen und damit ist das anhängige Widerspruchsverfahren beendet und es gibt schlicht und ergreifend überhaupt kein Urteil. Folge, die Löschung der Marke ist ad acta gelegt, womit Betroffene wie ich um Jahre zurückgeworfen werden mit allen wirtschaftlich ruinösen und wettbewerbsverzerrenden Konsequenzen.
Warum sollte der ursprüngliche Antragsteller seinen Antrag auf Löschung der Marke „Gelbe Seiten“ zurückziehen, muss man fragen. Hier die Antwort: Am 30. November 2006 veröffentlichte die GoYellow Media AG eine Ad-hoc-Meldung nach § 15 Wertpapierhandelsgesetz des Inhalts, dass die Firma von DeTeMedien einen bedeutenden Werbeauftrag für ihr kostenloses Telefonie-Portal PeterZahlt.de in Höhe eines „mittleren einstelligen Millionenbetrags“ bekommen hat. Weiter: Am 4. April 2007 wird veröffentlicht, dass GoYellow Media AG insgesamt 10 Prozent der Anteile ihrer hundertprozentigen Tochtergesellschaft GoYellow GmbH an 16 deutsche Gelbe Seiten-Verlage verkauft hat für eine Million Euro und eine einmalige Lizenzgebühr von 5 Millionen Euro.
Das deutsche Markenrecht ist hiermit eindeutig käuflich geworden. Ein Konzern, dem ein Markenrecht aberkannt wurde, kauft einfach ganz oder teilweise den ursprünglichen Gegner und kann so den Gerichtsweg unterbinden, wenn er glaubt, es sei genug Zeit ins Land gegangen, damit die Abschaffung des Rechtsstaats nicht allzu augenfällig wird. Bis dahin wird das Verfahren mit Fristverlängerungen noch ein wenig verschleppt und so ganz nebenbei noch ein paar weitere Existenzen zerstört.
Ich werde mich mittels mit Millionenbeträgen gekauftem Recht nicht zu irgendwelchen Handlungen wie beispielsweise Löschung oder Umbenennung meiner website www.gelbevideos.de zwingen lassen. Es drohen Ordnungsgelder und Ordnungshaft. Ich beziehe mich auf Artikel 20 des Grundgesetzes. Wer gegen den die Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz garantierenden Artikel 3 verstösst, arbeitet in Richtung Beseitigung der demokratischen Grundordnung. Gegen jeden, der das unternimmt, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand.
Ich fordere Sie, Herr Dr. Lammert, und die Abgeordneten des Bundestages auf, die zur Rechtsbeugung einladende Gesetzeslage im Zusammenhang mit dem aktuell beim Bundespatentgericht anhängigen Verfahren AZ 25 W(pat) 111/06 zu ändern und die Möglichkeit zur Zurückziehung des ursprünglichen Antrages gesetzlich auszuschließen. Nur dann wird wieder Rechtssicherheit für mich als Betroffenen und andere hergestellt und niemand sonst kann dazu in der Lage sein als der Gesetzgeber selbst, nämlich der Bundestag.
Berlin, den 22.8.2007
Fred Schumacher
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Verhängung eines Ordnungsgeldes von 20.000 Euro gegen mich haben sie gerade vom Hamburger Landgericht verlangt, Prozess- und Anwaltskosten obendrauf
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In einem Offenen Brief an Josef Ackermann, den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, eine der größten Investmentbanken der Welt, fordert foodwatch:
- Die Deutsche Bank soll mit gutem Beispiel vorangehen und aus der Spekulation mit Nahrungsmitteln aussteigen.
- Die Bankenlobby soll sich effektiver staatlicher Regulierung nicht länger widersetzen, sondern aktiv Regulierungen unterstützen, um den schädlichen Einfluss von Nahrungsmittelspekulationen zu verhindern.
"HÄNDE WEG VOM ACKER, MANN!" – unter diesem Motto startete foodwatch unter www.haende-weg-vom-acker-mann.de weiter eine E-Mail-Aktion, mit der Verbraucher diese Forderungen unterstützen können.
Die Spekulation mit Agrar-Rohstoffen treibt Nahrungsmittelpreise in die Höhe. Investmentbanken wie die Deutsche Bank und Goldman Sachs sowie die Verwalter von Versicherungen, Pensionsfonds und Stiftungen machen sich dadurch mitschuldig an Hungersnöten in den ärmsten Ländern der Welt. Sie investieren Geld, das Menschen für ihre Altersvorsorge sparen, in Wetten auf die Preise für Mais, Weizen und weitere Grundnahrungsmittel, so der Report "Die Hungermacher", den die Verbraucherorganisation foodwatch heute gemeinsam mit dem Autor Harald Schumann in Berlin vorstellte.
foodwatch verlangt von der europäischen Politik
- wirksame Positionslimits: Um den Einfluss von Finanzanlegern auf die Preisentwicklung von Rohstoffen zurückzudrängen, muss die Zahl spekulativer Warenterminverträge auf höchstens 30 Prozent aller gehandelten Futures limitiert werden.
- den Ausschluss institutioneller Anleger vom Rohstoffgeschäft: Um die Kapitalquellen für Rohstoffspekulationen trocken zu legen, müssen institutionelle Anleger wie Pensionsfonds, Versicherungen und Stiftungen vom Handel mit Rohstoffderivaten ausgeschlossen werden.
- ein Verbot von Publikumsfonds und Zertifikaten für Rohstoffe: Fonds beteiligen Hunderttausende Anleger an einem Wettspiel mit verheerenden Folgen und leiten ohne volkswirtschaftlichen Nutzen Milliarden Dollar auf die Rohstoffmärkte. Zumindest die Anlage in Agrar- und Energierohstoffe muss für Publikumsfonds tabu sein.
"Die Banken kassieren Gebühren und können daher mit ihren hochspekulativen Wetten nur gewinnen, während die Risiken andere tragen - vor allem die Ärmsten der Armen, die mit diesen Finanzprodukten überhaupt nichts zu tun haben, aber ihr Essen nicht mehr bezahlen können. Josef Ackermann trägt als oberster Bankenlobbyist und Deutsche-Bank-Chef auch eine persönliche Verantwortung dafür, dass Menschen Hunger leiden", erklärte foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode. "Die unverantwortliche Zockerei im globalen Rohstoff-Kasino muss durch klare Spielregeln eingedämmt werden. Doch anstatt wirksam zu regulieren, gibt die Politik den Tanzbären der Banken. Auch Verbraucherministerin Ilse Aigner hat ihre Forderung nach Maßnahmen gegen Nahrungsmittelspekulationen immer weiter abgeschwächt. Offenbar hat ihr die Agrarlobby eingeflüstert, dass steigende Preise doch eigentlich ganz prima sind."
Für den Report konnte foodwatch den Wirtschaftsjournalisten und Buchautor Harald Schumann gewinnen, der sich ein halbes Jahr lang von seiner Redakteursstelle beim Tagesspiegel freistellen ließ.
Link:
E-Mail-Aktion "HÄNDE WEG VOM ACKER, MANN!": http://www.haende-weg-vom-acker-mann.de
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Die Deutsche Bank soll mit gutem Beispiel vorangehen und aus der Spekulation mit Nahrungsmitteln aussteigen.
Die Bankenlobby soll sich effektiver staatlicher Regulierung nicht länger widersetzen, sondern aktiv Regulierungen unterstützen, um den schädlichen Einfluss von ...
Tags: Spekulation
Bisher: Am Grenzübergang nach Österreich sollen Ida und Kilian von einer Sondereinheit abgefangen werden. Als unfreiwillige Zeugen des Mordes an einem CIA Mann, der Stasi Abhörprotokolle des ehemaligen Kanzlers Kohl verkaufen wollte, sind sie auf der Flucht und werden als Terroristen verleumdet. Auch die Killer haben sich dort eingefunden, um sie abzuschießen.
Der schwarze BMW mit Münchner Kennzeichen kommt genau zwischen den die Kellen hochhaltenden Grenzschützern zum Stehen. Im Fenster der Dachgaupe halten Schulz und Wasi ihre Präzisionsgewehre auf die Fensterbank gestützt im Anschlag. Wasi hat direkt das Fenster der Beifahrertür im Visier, Schulzens roter Punkt liegt auf dem schemenhaften Schatten des Fahrers hinter der getönten Frontscheibe. In einer Zehntelsekunde lassen sich die Grenzschützer fallen und rollen seitlich ab ins Gras neben der Fahrbahn. Phantomen gleich stürzen von beiden Seiten Kämpferpulks in Tarnanzügen mit G 3s im Anschlag auf die Türen des BMW zu.
In Berlin röchelt Geli „sie sind unbewaffnet“. Kaminske wirft sich mit dem Oberkörper auf Foxy´s Hand mit dem Hörer und schreit „schießt sie endlich ab“ bevor ein Faustschlag des Kommissars ins Genick des Oberstaatsanwalts ihn zum Schweigen bringt.
Simultan aufgerissen Fahrer- und Beifahrertür greifen auf jeder Seite mehrere Fäuste zugleich ins Wageninnere und zerren eine Frau und einen Mann heraus und schleudern sie Gesichter voran auf den Straßenasphalt. Stimmengewirr. „Wir haben sie. Abtasten, OK, nichts. Verdammt. Sind viel zu dick.“ Langsam öffnen sich die rückwärtigen Türen des BMW und zwei zitternde Jugendliche steigen mit erhobenen Händen aus, über schreckensblassen Gesichtern die Muscheln ihrer MP3-Player noch auf den Ohren. Aus seinem Fenster neben der Straße glotzt Pfister mit aufgerissenem Mund auf die Szene, zwei Stockwerke höher setzt Wasi das Gewehr ab. Andresen schießt ein letztes Foto und nimmt die Kamera runter. Mit je zwei noch auf deren Köpfe gerichteten Gewehrläufen drehen Kämpfer die Gefassten um. Ein kräftig gebauter Mittvierziger mit Halbglatze und seine Frau im Dirndl starren halbblind in den Himmel über sich und haben bis jetzt noch nicht verstanden, was gerade mit ihnen geschehen ist.
Das weitläufige Areal zwischen Eckenerstraße und Östlicher Uferstraße bietet am späten Nachmittag freie Parkplätze in Menge. Schließlich ist die Hauptsaison vorbei und die Zahl an Touristen, die hier ihre Wagen abstellen und dann vom nahegelegenen Friedrichshafener Schiffshafen aus zu Dampferrundfahrten auf dem Bodensee aufbrechen, hat zur Freude der Anwohner spürbar abgenommen. Am Rande eines das Gelände teilweise durchschneidenden Stichkanals stehen nebeneinander zwei Fahrzeuge. Ein schwarzer BMW gehobener Klasse, Münchner Kennzeichen, dunkle Colorverglasung, prangt gegen einen Opel Kadett mit mindestens vierzehn Jahren auf dem Buckel wie die strahlende Prinzessin neben Aschenputtel beim Erbsenzählen. Der Kadett behauptet tapfer seinen Charakter durch Zurschaustellung sinniger Sprüche an Seiten- und Heckscheibe. Beispielsweise steht da zu lesen, „Draw, circle, point, der Computer nimmt 'nen Joint. – Cls, clear, chip, er ist auf'm Trip.“ und „Der Computer kann alles, aber sonst nichts.“ und verrät damit zugleich einiges über das vornehmliche Interessensgebiet seines Herrn.
Vom Kai des wie schon gesagt nur wenige Meter entfernten Schiffshafens legt ein weißer Ausflugsdampfer ab und tutet seine dröhnende Abschiedsmelodie in den Nachmittagshimmel. An der Reling auf dem Bug des Schiffes presst Ida die Reisetasche, die Arme vor dem Leib verschränkt, mit beiden Händen fest an sich. Ihre rotgoldene Lockenpracht weht im Wind und sie hat die feine Linie des am Horizont gerade noch so erkennbaren Schweizer Ufers fest im Blick. Kilian steht neben ihr und legt eine Hand auf ihre Schulter. Der Tübinger Hacker-Tom tritt einen Schritt zurück und mustert die beiden strahlend. „Ist mir ne Ehre.“ Er langt in die Innentasche seiner Jeansjacke und zieht zwei Pässe raus. Er schlägt den oberen auf und lässt seinen Blick zwischen seinem eigenen Foto im Pass und Kilian hin und herwandern. „Die Größe stimmt ja, aber ich würd zum Friseur gehen an deiner Stelle.“ Dann öffnet er den zweiten. „Nach deiner Beschreibung hab ich Dana gefragt.“ Er hält Ida den Pass hin. „Wie ne Zwillingsschwester, was?“ Ida nickt. „Danke.“ „Gruß von ihr und du sollst ihn auf jeden Fall mit der Post zurückschicken, wenn ihr in der Karibik seid.“
Ida reibt ihren Kopf an Kilian´s Schulter. „Bin ick noch nich so sicher. Heut Mittag hat er in der Pension gesagt, wir fahrn nach Salzburg, wusste aber schon, wir fahrn jenau entgegegesetzt. Jetzt heißt et, wir fahrn inne Karibik, vielleicht kommen wir ja dann in Indien an.“
Ende

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Bisher: Am Grenzübergang nach Österreich sollen Ida und Kilian von einer Sondereinheit abgefangen werden. Als unfreiwillige Zeugen des Mordes an einem CIA Mann, der Stasi Abhörprotokolle des ehemaligen Kanzlers Kohl verkaufen wollte, sind sie auf der Flucht und werden als Terroristen verleumdet. Auch die Killer haben sich dort eingefunden, um sie abzuschießen.
Der schwarze BMW ...
Tags: Thriller
Bisher: Die Stasi-Abhörprotokolle eines ehemaligen Bundeskanzlers und brisantes Material über Korruption und Politik auf drei CDs waren Anlass für die Ermordung eines ehemaligen CIA-Mannes. Die zufälligen Augenzeugen Ida und Kilian sind seitdem auf der Flucht vor den Killern und sollen jetzt als Terroristen verleumdet von einer Sondereinheit an der deutsch-österreichischen Grenze abgefangen werden. Auch die Killer haben sich dort eingefunden…
Einsatzleiter Pfister steht im selben Haus im Erdgeschoss am geöffneten Fenster und dirigiert zwei Beamte in Uniform des Bundesgrenzschutzes . „Genau da stellen sie sich hin mit der Kelle und halten den BMW an.“ „Was ist, wenn direkt vor ihm ein anderer Wagen fährt. Wenn wir den durchlassen, das macht sie stutzig.“ Pfister knetet die Stirn. „Unwahrscheinlich, so wenig Betrieb. Aber wenn doch, halten sie den davor an, sagen dem Fahrer es sei eine Übung, er soll dort vorn rechts auf den Tankstellenparkplatz fahren. Dann stoppen sie den BMW, alles klar?“ Pfister trägt ein Headset, hat aber für das Gespräch mit den Beamten die Ohrhörer nach oben weggeschoben. „Dann weiter wie besprochen.“
Der Einsatzleiter zieht die Hörmuscheln runter. „Hallo, ihr da oben, Rita vier, hört ihr mich?“ Mit Rotorengeräusch als Hintergrundmusik kommt die Stimme des Beobachters aus der Luft. „Ich hab sie im Blick.“ Pfister schaut unwillkürlich aus dem Fenster zum Himmel hoch. „Wie weit weg?“ „Ich hoffe, ihr seid soweit, schätze noch fünf Minuten.“
Am Rand des Tankstellenparkplatzes ragt ein alter Mauerrest bis fast an den Asphalt der Straße. Eine Hand auf die Steine gestützt, durch die Mauer vor neugierigen Blicken verborgen, beobachtet ein Mann im Anzug konzentriert das Geschehen. Andresen hat seine digitale Spiegelreflexkamera um den Hals gehängt. Er verfolgt genau, wie Männer in Tarnanzügen bewaffnet mit Schnellfeuergewehren im dichten Unterholz neben der Fahrbahn verschwinden und von einer Sekunde auf die andere wirkt das Landsträßchen an der Grenze verträumt und leer. Zwei gelangweilt am Europaschild lehnende Bundesgrenzschutzbeamte verstärken eher die Friedfertigkeit des Bildes als dass ihre Anwesenheit es stören würde.
Kommissar Foxy Schlieber und Geli Laudrup sitzen sich in der Kantine beim Mittagessen gegenüber. Um sie herum Geschirrgeklapper, das übliche hallende Geräusch, wenn hundert Menschen in einem hohen Raum gedämpft reden, Stühle hin und herrücken, Tabletts auf Förderbänder stellen. Kollegin Severin schiebt sich mit beladenem Tablett an ihren Tisch. Sie winkt fröhlich, bleibt aber mit Blick in die Gesichter der beiden abrupt stehen. „Mein Gott, wer ist gestorben? Hab ich da was nicht mitgekriegt?“ Geli schnibbelt an ihrem Schnitzel rum, schaut hoch. „Es schmeckt eh schon nach Pappe, auch wenn du mir nicht mit blöden Bemerkungen den Appetit verdirbst.“ „Du kannst mich mal,“ faucht die Severin, macht auf dem Absatz kehrt und nimmt ein paar Tische weiter Platz. Dort beugt sie sich zu den Anderen, erzählt was und zeigt dabei ziemlich unverhohlen auf Geli. Foxy lächelt matt. „Konstatiere atmospärische Störungen mit den Kollegen von der Sitte.“ „Konstatiere, konstatiere,“ äfft Geli ihn nach. „Konstatiere, wir lassen uns gerade fertigmachen.“ Sie feuert Gabel und Messer auf das Tablett vor sich. „Mir reichts. Ich lass das nicht zu, wer weiß, was passiert, wenn die mit ihren Antiterrorkämpfern auf diese Kinder losgehn, mir wird ganz schlecht, wenn ich nur dran denke.“ Er schaut hoch und ihr direkt ins Gesicht. Es ist weiß vor Zorn, aber er kennt sie lange genug, um in den zornfunkelnden Augen die auf den Ausbruch lauernden Tränen der Verzweiflung zu erspüren.
„Du hast völlig recht, es reicht.“ Scheppernd lässt er sein Besteck aufs Tablett fallen und springt auf. Ohne sich an den ihnen mit staunend aufgerissenen Mündern hinterherstarrenden Kollegen zu stören, rennen der Kommissar und die Inspektorin der Berliner Mordkommission eins los. Sie stürzen durch den Flur hinter der Kantine ins Treppenhaus, rasen polternd zwei Stockwerke tiefer und dort wieder den Gang lang bis zu ihrem Büro. Mit einem Schlag fliegt die Tür auf und beide stehen schnaufend nach Luft ringend vor Kaminskes Schreibtisch.
Warnend hebt der Oberstaatsanwalt die Hand. „Ruhig, verdammt,“ seine Stimme zischt wie eine Ringelnatter vorm Angriff. Pfister´s heiseres, bajuwarisches Organ füllt den Raum. „Wie weit weg noch, Rita 4?“ Dann die Stimme des Beobachters, sie kontrastiert schrill zum Dröhenen der Rotoren und ist dadurch absolut verständlich. „Zwei Kurven, vor dem BMW alles frei, noch eine Minute.“ Dann wieder Pfister. „Eine Minute, Männer, ihr habts gehört.“ Kaminske umklammert mit weißen Knöcheln den Telefonhörer und zischt rein. „Vorsicht, sie sind bewaffnet.“ Geli stürzt sich über den Schreibtisch, will Kaminske den Hörer aus der Hand reißen, der hält mit einer Hand fest und die andere schlägt er ihr flach an die Stirn. Geli will in den Hörer schreien, Kaminske hält ihn an ausgestreckter Hand weg. In dem Moment, als Foxy endlich hinlangt und mit einem Griff den Hörer an sich reißt, tönt durchdringend die Stimme des Einsatzleiters an der fernen deutsch-österreichischen Grenze aus dem Lautsprecher. „Jetzt, schnappt sie euch, Zugriff!“
Kommenden Mittwoch geht´s weiter: Showdown an der Grenze, überleben Ida und Kilian den „Zugriff“?

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Bisher: Die Stasi-Abhörprotokolle eines ehemaligen Bundeskanzlers und brisantes Material über Korruption und Politik auf drei CDs waren Anlass für die Ermordung eines ehemaligen CIA-Mannes. Die zufälligen Augenzeugen Ida und Kilian sind seitdem auf der Flucht vor den Killern und sollen jetzt als Terroristen verleumdet von einer Sondereinheit an der deutsch-österreichischen Grenze abgefangen werden. Auch ...
Tags: Thriller
Das fälschlich als Terroristen gebrandmarkte Paar ist im schwarzen BMW unterwegs in Richtung österreichische Grenze. Der Pensionswirt erkennt sie nach einem Fahndungsaufruf und informiert die Polizei.
Ins Scharren der Stühle und das aufkommende Stimmengewirr ruft der Einsatzleiter. „Einmal haben die uns vorgeführt, das passiert kein zweites Mal, gnade ihnen Gott.“
„Herr Pfister, hallo, warten´s einen Moment.“ Eine Frau an einem der Computerarbeitsplätze springt hoch und reißt sich das Headset vom Kopf. „Ja, verdammt, was wollen´s?“ Schlagartig herrscht Ruhe und aller Augen richten sich auf sie, die den rüden Ton ihres Vorgesetzten kein Stück beachtet. „Ich hab eine von den Kaffeemühlen dran. Sie haben den schwarzen BMW im Blick, er fährt zwischen Ruhpolding und Bad Reichenhall, genau auf der Strecke, wo wir ihn vermutet haben.“
Zwei Männer in Lederjacken und Jeans federn über den schallschluckenden Teppichboden der Empfangshalle in der Münchner Konzernzentrale. Beide tragen Lederfutterale auf dem Rücken wie sie von passionierten Anglern für umfangreiche Ausrüstungen an Ruten und Zubehör benutzt werden. Hinter seinem mittels eines Podestes leicht erhöhten, gläsernen Empfangspult thronend lässt der Portier seine Blicke missbilligend an ihnen auf- und abwandern. Er selbst trägt wie alle sonstigen Besucher des Hauses Anzug und Krawatte. Wasi hält sich dicht hinter Schulz, der dem Portier seine Wünsche vorträgt. „Wir müssen hoch.“ Dabei deutet Schulz mit ausgestrecktem Zeigefinger zur verspielten Glasdecke. „Wie bitte, meine Herren?“ „Na, ganz nach oben, wenn sie wissen, was ich meine.“ Der Portier verzieht irritiert das Gesicht. „Sind sie angemeldet?“ Schulz grinst. „Rufen sie einfach in der Direktionsetage an, man hat eine von euren VIP-Schleudern für uns reserviert, aber dalli wenn ich bitten darf.“
Wasi fixiert den jetzt nervös seine voluminöse Telefonanlage bedienenden Mann finster, nimmt mit ebensolchem Rundumblick seine Umgebung in sich auf und kehrt zum Portier zurück. „Arschloch!“ Der hat inzwischen mit erstarrter Miene in den Hörer lauschend seine Anweisungen erhalten, springt auf. „Folgen sie mir, meine Herren.“ Er rennt quer über den federnden Teppich zu einem separaten Aufzug und benutzt seinen Spezialschlüssel. Ein sanfter Gong und der Mann schiebt die beiden Lederjacken fürsorglich durch die aufgleitende Tür in die Kabine. „Hier, nur ein Knopf.“ Er drückt ihn selbst. „Direkt aufs Dach, der Pilot nimmt sie entgegen.“ Schulz hebt den Daumen und lacht Wasi an. „Geht doch.“
Ganze drei jeweils zweigeschossige Wohnhäuser und eine mäßig frequentierte Tankstelle bilden ein beschauliches Ambiente für den an der deutschen Bundesstraße einundzwanzig Nähe Walserberg gelegenen Grenzübergang zur österreischichen B eins, besser bekannt als Wiener Straße. Entlang einer durch einen Grünstreifen abgetrennten Parkspur und seitlich der Wohnhäuser schirmen hohe Bäume und dichtes Unterholz eine Wiese von den Ausmaßen zweier Fußballfelder ab. Schulz deutet nach unten und versucht, gegen den Lärm der Rotoren anzuschreien. „Mist, war ja zu erwarten.“ Zwei große Hubschrauber parkend nebeneinander, grün auf weiß als „Polizei“ gekennzeichnet, und viele dunkle Punkte, die sich über die Wiese in Richtung Grenzübergang fortbewegen. Wasi nickt, Schulz tippt dem Piloten auf die Schulter und bedeutet ihm, in einiger Entfernung zur Ansammlung auf dem Grün runterzugehen.
Unten, die Rotoren drehen noch, springen die Lederjacken auf die Erde und spurten auf die Bäume an der Straße zu. Sie kommen gerade rechtzeitig, um mitanzusehen, wie Uniformierte die wenigen anwesenden Hausbewohner zu einer Gruppe zusammentrommeln und auf die österreichische Seite vom zu erwartenden Brennpunkt des Geschehens wegbringen. Ein älterer Mann, gekleidet in einen Monteurs-Overall, schreit. „Ihr könnts mi, ihr blöden Hunde, i will dobleibn.“ Unbeeindruckt schnappen ihn die Uniformierten links und rechts und schleppen ihn zwischen sich den anderen nach. Schulz` Blick fliegt von einem Haus zum andern. Er deutet auf das vordere, welches direkt hinter einem blauen Europaschild mit Sternen aufragt. Sie stürzen zur offenstehenden Haustür rein und trampeln die Treppen hoch ins Dachgeschoß, durch den Dachboden an trocknender Wäsche vorbei zur Dachgaupe. Zufrieden grinsend zerrt Wasi die knarrenden Fensterflügel auf.
Die Männer stellen sorgfältig ihre auf dem Rücken mitgeschleppten Futterale auf den Boden und packen aus ihnen ihre Präzisionsgewehre aus. Spielerisch legt Schulz als erster einen Ellenbogen auf die Fensterbank und peilt über die Zielvorrichtung seiner Waffe. „Wir sind so dicht dran, die könnten wir nicht mal verfehlen wenn wir blind wären.“
Weiter am Sonntag: Während die Kommissare der Mordkommission in Berlin aufbegehren, bereiten neben den Killern auch Scharfschützen der Sondertruppe an der österreichischen Grenze einen tödlichen Empfang vor.

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Das fälschlich als Terroristen gebrandmarkte Paar ist im schwarzen BMW unterwegs in Richtung österreichische Grenze. Der Pensionswirt erkennt sie nach einem Fahndungsaufruf und informiert die Polizei.
Ins Scharren der Stühle und das aufkommende Stimmengewirr ruft der Einsatzleiter. „Einmal haben die uns vorgeführt, das passiert kein zweites Mal, gnade ihnen Gott.“
„Herr Pfister, hallo, warten´s ...
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